Genfer Konferenz „100 years of conference interpreting“ im ILO

Mein Sitzplatz im Plenarsaal der ILO in Genf

 

 

 

 

 

 

„100 years of conference interpreting“ in Genf, 3.-4. Oktober 2019

 

 

 

Die Genfer Universität hat dieses Jahr eine einzigartige Veranstaltung zum Anlass der 100 years of conference interpreting organisiert. Am 3. und 4. Oktober sprachen im Sitz der International Labour Organisation (ILO bzw. der Internationalen Arbeitsorganisation) viele hochkarätige Redner über die Anfänge unseres Berufs, der nach dem ersten Weltkrieg geboren wurde, und über dessen Zukunft: vom Ursprung bis zu den heutigen Herausforderungen und Chancen, die mit der Digitalisierung und dem rasanten Fortschritt der Artificial Intelligence (AI) auf uns zukommen.

 

Unvergesslich war meiner Meinung nach die Präsentation des Neurolinguisten Prof. Alexis Hervais-Adelman, der darüber berichtete, was beim Simultandolmetschen im Gehirn eines Dolmetschers vorgeht. Es handelt sich um neurologische Prozesse, die bis jetzt noch nicht ganz geklärt sind.

 

Am zweiten Konferenztag übernahm der einundneunzigjährige Christopher Thiéry, Gründungsmitglied und heutiger Ehrenpräsident des internationalen Dolmetscherverbands AIIC das Wort. Der ehemalige Dolmetscher von Mitterrand, Chirac und Sarkozy erzählte mit beneidenswerter Redekunst und Klarheit von den Entwicklungen unseres Berufs und von interessanten Anekdoten zu den damaligen Arbeitsbedingungen und den ´Kämpfen´ für deren Verbesserung (von 25 auf 30 Dollar Tagessatz!).

 

Wie immer sehr beruhigend und sachlich fand ich den Entwickler von Interpretbank, Professor Claudio Fantinuoli von der Uni Germersheim, der uns die Vorteile der künstlichen Intelligenz für unseren beruflichen Alltag dargestellt hat (ob wir es wollen oder nicht!).

 

 

Da ich nie für die Institutionen gearbeitet habe, fand ich die Berichte von Florika Fink-Hooijer, Generaldirektion der Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Kommission (DG SCIC), von Agnieszka Walter-Drop, Generaldirektorin Dolmetschen & Konferenzen beim EU-Parlament, von Marie Diur, Chief Interpreter bei den Vereinten Nationen (UNOG) und von Monica Varela García, Leiterin des Dolmetschdienstes des ILO, hochinteressant. Diese vier großartigen Frauen sind nicht nur angesehene Konferenzdolmetscherinnen, sondern befassen sich auch Tag für Tag mit der Organisation Dutzender verschiedenen Kabinen in unzähligen Sprachkombinantionen, und das bei den wichtigsten Institutionen der Welt.

 

Für mich waren die beiden Konferenztage ein hoch emotionales Privileg. Ich habe viele Freunde endlich wieder gesehen, einige neue Kollegen kennengelernt und vor allem die einzigartige Situation einer Konferenz genossen, auf der nur Dolmetscher anwesend waren, und bei der es nur um das Thema Dolmetschen ging!

 

Foto: https://www.unige.ch/fti/conf1nt100/legacy/#toc2
Christopher Thiéry, Ehrenpräsident von AIIC

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alexis Hervais-Adelman, Neurolinguist und Professor an der Universität in Zürich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die italienischen „Gesandten“ mit Alice Bertinotti, Lucia Sollecito, Catherine Millasseau, Elisabetta Minetto, Nicole Maina und Sarah Cuminetti