Mein Kind mischt seine Sprachen – bedeutet das, dass es verwirrt ist?
Sprachenmischen bei mehrsprachigen Kindern: Was ist das und wie geht man damit um?
Ein mehrsprachiges Kind zu begleiten ist eine wundervolle Reise, kann aber auch viele Zweifel und Fragen aufwerfen. Ein häufiges Phänomen, das bei mehrsprachigen Kindern beobachtet wird, ist das „Sprachenmischen“, in der Sprachwissenschaft bekannt als Code Mixing (wenn man zwei Sprachen innerhalb eines Wortes oder Satzes vermischt) und Code Switching (wenn man von einem Satz zum nächsten die Sprache wechselt). Wenn dein Kind seine Sprachen vermischt, ist es verständlich, dass du dir Sorgen machst und dich fragst, ob das Kind verwirrt ist oder Schwierigkeiten hat, beide Sprachen zu erwerben. Es handelt es sich aber um ein natürliches Phänomen, das für zwei- oder dreisprachige Menschen typisch ist.
In diesem Artikel möchte ich näher auf die Bedeutung der Begriffe Code Mixing und Code Switching eingehen und erklären, warum sie nicht auf Verwirrung hindeuten und was du als Elternteil tun kannst, um dein Kind in seiner sprachlichen Entwicklung zu unterstützen.
Warum mischen zweisprachige Kinder ihre Sprachen? Weil sie es können!
Was sind Code Mixing und Code Switching?
Code Mixing tritt auf, wenn eine Person innerhalb desselben Satzes Wörter aus verschiedenen Sprachen vermischt oder sogar innerhalb eines Wortes Teile aus verschiedenen Sprachen kombiniert. Zum Beispiel: „Ich will mit der bambola spielen“, anstatt „Puppe“ zu sagen. In einer berühmten Episode aus meiner Kindheit soll ich „Ich bin gesaltet“ gesagt haben, womit ich „ich bin gesprungen“ meinte. Ich habe dabei die Wortwurzel des italienischen Verbs „saltare“ korrekt mit dem richtigen Präfix und Suffix der deutschen Vergangenheitsform kombiniert. Alles richtig und vollkommen verständlich, oder? Wenn ich heute „Ich habe es gegoogelt“ sage, mache ich auch nichts anderes.
Code Switching bezieht sich in der Regel auf den Wechsel von einer Sprache zur anderen innerhalb eines Gesprächs oder eines Satzes. Dieser Begriff wird oft auch als Synonym für Code Mixing verwendet.
Diese Erscheinungen sind nicht nur bei Kindern, sondern auch bei mehrsprachigen Erwachsenen sehr verbreitet. Sie zeigen, dass die Person einen großen sprachlichen Reichtum besitzt, und spiegeln die Fähigkeit des Gehirns wider, mehrere Sprachen gleichzeitig zu verarbeiten. Kurz gesagt: Es ist kein Symptom für eine Überlastung oder Verwirrung, sondern das Privileg, wählen zu können und einfach das bevorzugte Wort zu verwenden, mit dem man am besten kommunizieren kann.
Sprachenmischen ist kein Zeichen von Verwirrung
Einer der weitverbreitetsten Mythen ist, dass das Vermischen von Sprachen ein Symptom für Verwirrung oder Überforderung ist. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen jedoch genau das Gegenteil. Das Vermischen von Sprachen bedeutet nicht, dass das Kind nicht in der Lage ist, zwischen ihnen zu unterscheiden.
Im Gegenteil: Mehrsprachige Kinder entwickeln schon früh ein Bewusstsein für die Unterschiede zwischen den Sprachen, die sie lernen. Aber warum vermischen sie sie?
Ein Kind kann Sprachen aus verschiedenen Gründen vermischen:
- Begrenzter Wortschatz in einer Sprache: Wenn ein Kind ein Wort in einer Sprache nicht kennt, leiht es sich dieses aus der anderen Sprache aus, um sich besser auszudrücken.
- Effizientere Kommunikation: Manchmal ist ein Wort oder ein Satz in einer Sprache ganz einfach kürzer, treffender oder einfacher zu verwenden als sein Pendant in einer anderen Sprache. Oder es fällt einem einfach zuerst ein!
- Soziales Umfeld: Kinder vermischen Sprachen, um sich dem sozialen Umfeld oder und den Menschen in ihrer Umgebung anzupassen. Zum Beispiel wenn sie in einer Region oder Community leben, in der das Vermischen von Sprachen ganz normal zum Alltag von allen Sprechern gehört.
- Weil es Spaß macht! Wenn dein Kind beide Sprachen beherrscht, macht das Sprachenmischen auch einfach Spaß! Und natürlich weiß es, mit welchen Menschen es das tun kann. Du musst dir also keine Sorgen machen, denn Sprachenmischen ist ein Zeichen für die kognitive Flexibilität deines Kindes und seine Fähigkeit, sich zwischen zwei (oder mehr) Sprachsystemen zu bewegen.
Wie soll man reagieren, wenn das Kind Sprachen vermischt?
Sich keine Sorgen zu machen ist gut, aber sollen wir sie einfach so weiterreden lassen, ohne einzugreifen? Natürlich hast du als Mama oder Papa eines mehrsprachigen Kindes die Verantwortung, eine ausgewogene sprachliche Entwicklung zu fördern. Hier sind ein paar Empfehlungen.
- Korrigiere dein Kind nicht
Es ist normal, dass man sein Kind korrigieren möchte, wenn es Sprachen vermischt, aber du könntest es demotivieren oder unter Druck setzen. Außerdem unterbricht deine Korrektur den Gesprächsfluss und die Natürlichkeit der Situation, in der ihr euch befindet. Aber wie soll es dann lernen? Du kannst es implizit korrigieren, indem du das Gesagte korrekt umformulierst und in der gewählten Sprache antwortest. Zum Beispiel:
Kind: „Ich bin gesaltet!“
Elternteil: „Ich habe gesehen, wie hoch du gesprungen bist!“
Oder:
Kind: „Mama, ich will kein latte mehr!“
Elternteil: „Wenn du jetzt keine Milch mehr willst, trinkst du sie später!“
- Geh mit gutem Beispiel voran
Kinder lernen, indem sie ihre Eltern beobachten, ihnen zuhören und sie nachahmen. Wenn du möchtest, dass dein Kind lernt, die Sprachen klar zu trennen, dann sei konsequent. Das gilt nicht nur, wenn ihr das OPOL-System („ein Elternteil, eine Sprache“) anwendet, sondern auch, wenn ein Elternteil mehr als eine Sprache mit dem Kind spricht. Versuche, die Sprache, die du vermitteln möchtest, so sauber wie möglich zu verwenden, ohne sie zu vermischen, und wechsle nach ganz klaren Regeln (Kontext oder Situation). Zum Beispiel: Beim Frühstück sprichst du immer Deutsch, oder zu Hause sprichst du Deutsch und außerhalb des Hauses Italienisch, oder abends liest du deinem Kind Bücher auf Italienisch vor. Wähle ein System und halte dich daran. Das ist wichtig, um ihm zu helfen, die Sprachen getrennt abzuspeichern.
Das sind wichtige Regeln, aber ich persönlich sage auch: Ihr seid eine mehrsprachige Familie, ihr habt das Privileg, mehrere Sprachen zu sprechen, und wenn es euch Spaß macht, hin und wieder eure Sprachen zu vermischen, dann tut es!
- Den Wortschatz ausbauen
Um zu vermeiden, dass dein Kind in der ersten Sprache nach Wörtern sucht, weil es sie in der zweiten Sprache nicht kennt oder sie ihm nicht sofort einfallen, solltest du dafür sorgen, dass es viele Gelegenheiten hat, beide Sprachen in unterschiedlichen Kontexten zu hören und zu verwenden. Es gibt viele Möglichkeiten: Bücher vorlesen, gemeinsam Lieder singen und vor allem mit Menschen interagieren, die die Zweitsprache sprechen.
- Hab keine Eile
Jedes Kind entwickelt seine Sprachkenntnisse in seinem eigenen Tempo. Mit der Zeit wird dein Kind immer weniger die Sprachen vermischen, je mehr sein Wortschatz wächst und je sicherer es sich im Umgang mit den Sprachen fühlt.
- Mach deinem Kind Mut und nimm seine Fortschritte wahr
Anstatt sich auf Schwierigkeiten oder vermeintliche Fehler zu konzentrieren, achte auf die Fortschritte deines Kindes und nimm sie wahr. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der LingFLoWS®-Methode: Erfolge feiern, um weitere Fortschritte zu machen! Das ist wichtig für dich, um motiviert zu bleiben, und ebenso wichtig für dein Kind, das deine Begeisterung spürt. Ermutige dein Kind immer wieder, stolz auf seine Sprachkenntnisse zu sein und sich bewusst zu machen, dass ihr eine mehrsprachige Familie seid!
Wann sollte ich mir Sorgen machen?
Auch wenn das Vermischen von Sprachen bei mehrsprachigen Kindern normal ist, gibt es generell einige Situationen, in denen es sinnvoll sein könnte, einen Logopäden oder einen Spezialisten für Sprachentwicklung zu hinzuzuziehen:
– Wenn das Kind eine deutliche Verzögerung beim Erreichen der sprachlichen Meilensteine zeigt (z. B. wenn es mit 18 Monaten nur sehr wenige Wörter sagt oder im Alter von 2–3 Jahren noch keine Sätze bildet).
– Wenn das Kind anhaltende Schwierigkeiten beim Verstehen oder beim Sprechen in beiden Sprachen zu haben scheint, d. h., wenn die Schwierigkeiten die Kommunikation im Allgemeinen betreffen, nicht die Sprachen.
– Wenn Anzeichen für einen sprachlichen Rückschritt vorliegen (z. B. wenn das Kind plötzlich aufhört, eine Sprache zu sprechen, die es zuvor regelmäßig verwendet hat).
Denk daran, dass jedes Kind einzigartig ist und dass es von Kind zu Kind große Unterschiede in der Sprachentwicklung geben kann.
Fazit: Das Vermischen von Sprachen ist ein natürliches Phänomen für Kinder, die in einem mehrsprachigen Umfeld aufwachsen.
Es ist nicht nur kein Zeichen von Verwirrung, sondern ein Beweis für die kognitive Flexibilität und Kreativität des menschlichen Gehirns bei der Anpassung an mehrere Sprachsysteme.
Als Elternteil ist es deine Aufgabe und Verantwortung, dein Kind in diesem Prozess zu unterstützen. Versuche, eine Lernumfeld zu schaffen, dass auf seine Bedürfnisse zugeschnitten und reich an sprachlichen Reizen ist, sei geduldig und verständnisvoll und denk immer daran, dass Zweisprachigkeit oder Dreisprachigkeit ein kostbares Geschenk ist, das dein Kind ein Leben lang bereichern wird.
Wenn du individuelle Beratung für deine spezielle Familiensituation brauchst oder konkrete Fragen zur sprachlichen Entwicklung deines Kindes hast, helfe ich dir gerne weiter. Gemeinsam können wir eine Strategie finden, die für euch funktioniert – ohne Stress, ohne Druck, sondern ganz natürlich und unbeschwert. Buche hier einen kostenlosen Kennenlerntermin!