Vertraulichkeit für professionelle Übersetzer und Konferenzdolmetscher
Heute hat mich ein italienischer Kunde kontaktiert, der eine Immobilie in Deutschland erwerben und einen Kredit bei einer deutschen Bank aufnehmen möchte. Die Bank benötigt dafür eine Reihe von Dokumenten, wie zum Beispiel seine Gehaltsabrechnung, seine Kontoauszüge und seinen Arbeitsvertrag.
Als ich ihn bat, mir diese zuzusenden, hatte ich den Eindruck, dass er sich dabei nicht wohlfühlte, und ich kann vollkommen nachvollziehen, warum. Einer Fremden persönliche und vertrauliche Dokumente zuzusenden kann unangenehm sein. Also habe ich ihm erklärt, wie ich mit diesen Dokumenten umgehe und dass ich aus ethischen und berufsständischen Gründen verpflichtet bin, alle Informationen, die ich erhalte, streng vertraulich zu behandeln.
Als Übersetzerin bearbeite ich Strafregisterauszüge, Arbeitsverträge, Unternehmensbilanzen, Gerichtsurteile oder sogar Fotos von Prototypen kurz vor ihrer Markteinführung.
Als Dolmetscherin erhalte ich Informationen über Insolvenzen, Übernahmen, Massenentlassungen, Enthüllungen über Autoren oder die Handlungen noch unveröffentlichter Romane.
Vertraulichkeit ist ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil meines Alltags, ohne den es kein Vertrauensverhältnis zu meinen Kunden geben kann.
Der Umgang mit vertraulichen Informationen ist einer der wichtigsten Aspekte meiner Arbeit sowohl als Übersetzerin als auch als professionelle Dolmetscherin. Aber was bedeutet das in der Praxis für meine tägliche Arbeit? Es bedeutet Folgendes:
1. Alle erhaltenen Informationen werden vertraulich behandelt. Und wenn ich alle sage, meine ich auch alle, selbst scheinbar „beiläufige” Informationen, wie zum Beispiel das, was vor dem Auftrag am Telefon gesagt oder zufällig während der Kaffeepause mitgehört wurde. Selbstverständlich gebe ich Inhalte niemals an Dritte weiter, es sei denn, der Kunde erteilt mir seine ausdrückliche Genehmigung dazu.
2. Ich verwende sichere Tools für die Daten- und Dokumentenverwaltung, wie geschützte Software und verschlüsselte Kommunikationskanäle, um die Sicherheit der Informationen zu gewährleisten. Ich gebe keine Daten in Apps ein, die die Vertraulichkeit verletzen oder zu Data Leaks führen könnten.
3. Ich halte diese Vertraulichkeit auch langfristig ein: Meine Verpflichtung endet nicht mit dem Abschluss des Projekts, sondern geht darüber hinaus. Wenn es keinen Grund gibt, die Daten oder Dateien aufzubewahren, lösche ich das gesamte Material.
Meiner Meinung nach muss eine Übersetzungs- oder Dolmetschdienstleistung nicht nur Kompetenz und Professionalität bieten, sondern auch absolute Diskretion.
Ob es sich um juristische Dokumente oder sensible Inhalte handelt, die ich während einer Konferenz höre, mein Ziel ist es immer, den maximalen Schutz der Informationen zu gewährleisten. Das Vertrauen, das meine Kunden in mich setzen, ist der Kern meiner Arbeit, und deshalb ist Vertraulichkeit nicht nur eine berufliche Verpflichtung, sondern ein ethischer Wert, der jede meiner Entscheidungen leitet.
Über meine ethischen Werte hinaus bin ich als Mitglied der Berufsverbände AITI, Assointerpreti und BDÜ verpflichtet, die für unseren Berufsstand geltenden Regeln einzuhalten.
Insbesondere Artikel 8 des Statuts von AITI legt eindeutig die „Pflicht zur Geheimhaltung und Vertraulichkeit” fest.
Dieser Grundsatz verpflichtet mich, alle Informationen, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit erhalte, mit äußerster Diskretion zu behandeln, unabhängig davon, ob es sich um zu übersetzende Dokumente oder um Inhalte handelt, die ich während eines Dolmetschauftrags gehört habe.
Auch der Verhaltenskodex von Assointerpreti bekräftigt die Bedeutung der Vertraulichkeit als ethische Säule unseres Berufsstandes. Diese Standards sind nicht nur formale Regeln, sondern stellen eine konkrete Verpflichtung dar, die ich gegenüber jedem Kunden eingehe.